Tierheilpraxis – Wie ist das mit der Dosierung?

Die richtige Dosierung

Eine mir in meiner Tierheilpraxis oft gestellte Frage bei meinen Patienten bzw. deren Menschen, die es ja ganz genau wissen wollen und das zu Recht: Wie dosiere ich etwas für mein Tier? Wie berechne ich die Menge der zu verabreichenden Mittel aus dem Bereich der Naturheilverfahren und die Menge an Futter, die das Tier jeden Tag bekommt, das im weiteren Sinne zur „Behandlung“ oder Therapie gehört.

Ohne eine gesunde, das heißt artgerechte und angemessene, individuelle Fütterung kann kein Tier auf Dauer gesund bleiben oder werden. Die Haltung gehört mit in dieses große Paket, also Bewegung, Abwechslung, Artgenossen, Unterbringung, Umgang und Ansprache. Diesen Punkt lassen wir im Moment außen vor, denn die anderen reichen aus.

Zurück zur Dosierungsfrage

Hier haben wir zwei Aspekte in der Überlegung. Einmal das, was da dosiert werden soll, und auf der anderen Seite den Empfänger dieser Dosis. Beide wollen und sollen ja berechnet und eingestuft werden und im zweiten Schritt soll das zusammenpassen. Sonst bräuchten wir nicht die Erörterung dieses Themas.

Die Fütterung in der Dosierung

Beginnen wir mit der Fütterung und bei den großen Tieren. Wie kann ich feststellen, welche Inhaltsstoffe genau(!) z.B. in der Menge Weidegras, Heu, Stroh sind, die mein Pferd täglich (also von morgens 8 Uhr bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr) zu sich genommen hat? Zum einen kenne ich nicht die genaue Menge, denn auf der Weide legt das Pferdchen nicht jedes Maul voll Gras und (optimalerweise Kräuter) vor dem Zerkauen auf die Waage. Falls ich das Heu bei der Winterfütterung wiegen kann, das ich jeden Tag gebe, dann weiß ich auch dort nicht, wieviel Kilogramm in meinem Pferd landen oder in dem daneben, dem Beisteller, dem Gesellschaftspony, den anderen Pferden in der Gruppe. Dann müsste ich es theoretisch alleine in die Box stellen und vielleicht einen kleinen Verlust abrechnen, der nicht schmeckte oder auf den Boden fiel, hätte aber einen relativ genauen Wert. Aber diese Art von Pferde- oder Tierhaltung propagiere ich nicht, außer im Krankheits- oder einem anderen Ausnahmefall. Nur um zu ermitteln, wieviel Heu nun mein Tier zu sich nimmt, wäre das keine Lösung.

Beim Hund ist das meist einfacher. Der frisst, was in den Napf kommt, wenn er nicht ausnahmsweise draußen was (für ihn) Leckeres findet und es zusätzlich verputzt und es nicht wieder stehenden Fußes „retour“ kommt.

Bei Katzen ist es wiederum problematischer mit der Feststellung der täglichen Nahrungsaufnahme. Freigänger, und alles andere ist für mich nicht erstrebenswert im Leben der Katzen, ähnlich wie beim Boxenpferd, fressen zusätzlich und optimalerweise ihre Mäuschen, Vögelchen, Insekten und kleine andere Tierchen. Weiß ich da, wie hoch deren Muskelfleischanteil oder wie die Zusammensetzung des Mageninhaltes ist? Nein, das weiß ich nicht und ehrlich, so genau möchte ich auch gar nicht wissen, was mein Kater da an manchen Tagen alles bunt durcheinander verputzt und zum Teil wieder von sich gibt. Dazu bekommt er natürlich zusätzlich von mir sein Futter, das ich berechnen könnte (wenn ich wollte).

Wie viel Futter und was ist darin enthalten?

Ich habe also einmal oft das Problem der Feststellung der Menge an Futter, die mein Tier zu sich nimmt, zum anderen aber das vielleicht größere und schwerer zu lösende, was genau da drin ist.

Beim Fertigfutter, egal ob für Pferd, Schaf, Hund, Katze oder Zwergkaninchen, steht allerhand auf der Verpackung. Ja, das ist ja einfach. Menge mal Inhaltsangabe und fertig ist die Rechnung. Aber ehrlich, stimmt das genau? Ist in jeder Packung dasselbe? Dasselbe Tier im Katzenfutter? Dieselben Erbsen mit Möhren in der Hundefutterdose? Derselbe Hafer im Pferdefutter? Glaube ich nicht.

Geht gar nicht und wegen mir ist es auch nicht nötig, jeden Teelöffel Futter zu analysieren und umzurechnen. Aber wer es genau wissen will mit der Dosierung, muss hier jeden Happen untersuchen.

Von der Fütterung zur Verabreichung von Medikamenten und ähnlichem

Kommen wir von der Fütterung zur Dosierung der „Medizin“ für unsere Tiere. Die Bandbreite ist erstaunlich, wenn man sich vor Augen führt, was man da so alles machen könnte!

Könnte – nicht müsste!

Jeder Mensch hat andere Vorlieben in der Auswahl der Therapien für sein Tier und jedes Tier hat auch immer seine Eigenarten und weiß genau warum.

Nehmen wir die Heilkräuter. Die kennt jeder für sich selbst, egal ob Hustentee, Fastentee, Verdauungstee, Abendtee, Morgentee. Kräuter sind auch für die Tiere wunderbar und sind Teil der Fütterung, den sie gehören zu einer natürlichen Fütterung (wie für uns eigentlich zur normalen Ernährung), aber die Zeiten sind vorbei. Welcher Hund frisst noch einen „gesunden“ Magen mit einer tollen Füllung, welches Pony hat noch die Superwiese mit einer bunten, ausgewogenen und an seine Rasse angepassten Kräutermischung? Islandpferde grasen am Niederrhein, Shetlandponys in der Eifel, Araberpferde in Schleswig-Holstein und da findet keiner mehr „seine“ Wiese!

Also sammeln wir selber ausgewählte Kräuter, die nach unserem Dafürhalten fehlen. Wir können sie auch kaufen und Abende im Internet mit Recherchen, Preisvergleichen, Meinungen anderer Tierhalter in allen Foren dieser Welt verbringen und uns zu irgendwas entscheiden. Aber besser man tut was, sammelt oder kauft sich Kräuter, als nichts zu tun. Aber was genau in den Kräutern ist, ob die Zusammensetzung der „Wurmkräuter“, der Kräuter zur Herbst- oder Frühjahrskur in einer wunderschön klingenden und verpackten Mischung ist, das können wir Laien ohne Labor nicht überprüfen. Wir verlassen uns auf die Angaben des Herstellers in puncto Inhalt und Empfehlung zur Fütterung und haben unseren Wunsch nach der Dosierung erfüllt. Ob diese richtig und angemessen ist, fragt sich nur der Zweifler.

Das gilt für fertige Mischungen zur Ergänzung der Fütterung mit Mineralstoffen und Vitaminen, für Produkte wie Heilerden oder Vulkanmineralien, für Heilmoor, für Basenpulver, für Produkte mit effektiven Mikroorganismen – die Litanei kann lange fortgeführt werden. Wir vertrauen auf den Hersteller, damit werden wir auch in der Regel richtig liegen, was drin ist und wieviel wir davon verabreichen sollen.

Was für ein Tier habe ich?

Aber kennt denn der Hersteller eines Futtermittels oder Medikament jedes Tier für den er sein Produkt entwickelt? Es kann mir keiner erzählen, dass Kuh gleich Kuh und Friesenpferd gleich Friesenpferd oder sogar gleich Pferd ist. Das jeder Hund mit 5 kg Körpergewicht gleich „funktioniert“ und ein doppelt so schwerer Hund halt doppelt so ist.

Jedes Tier hat sein Lebensalter, sein Geschlecht, sein Temperament, bringt eine andere Vergangenheit mit, hat ein anderes Umfeld, sprich Familie oder Herde oder Gruppe. Es hat andere Vorerkrankungen, Impfungen, Wurmkuren, Fütterung, Haltung. Kein Ei gleicht hier dem anderen. Und die Parallelen zum Menschen liegen auf der Hand, tun hier aber nichts zur Sache.

Und noch einmal: Wie ist das mit der Dosierung?

Wie kann ich also ein Futtermittel oder ein Medikament für ein Tier so Pi mal Daumen dosieren? Ich kann nur Anhaltswerte geben. Ich kann sagen, ein Pferd benötigt pro Kilogramm Körpergewicht so und so viel Kilo Heu einer durchschnittlichen Qualität. Das Pferd sollte so und so viele Stunden auf einer durchschnittlich guten (oder schlechten) Weide fressen dürfen, dann reicht es und dann darf es die restlichen Stunden seines Tages noch die und die Menge des Heus mümmeln oder ein wenig Stroh dazu.

Wieviel Stroh und wie gut ist das Stroh? Gute Frage, nächste Frage! Ja, wieviel dieses Mineralfutters gebe ich ihm in wieviel des Müslis oder der Heucobs – eingeweicht in wieviel Milliliter Wasser? Dann haben wir da noch die Extra-Pülverchen vom Heilpraktiker. Wieviel sollte ich da noch mal geben und wie oft am Tag? Oh Gott, und dann die homöopathischen Globuli oder Schüssler Tabletten gegen xy. Ein, zwei oder drei? Oder doch zehn? Ist ja ein großes Pferd und ist arg krank. Aber nicht das da was „passiert“.

Ich suche mir also Anhaltswerte für meine Dosierung mit dem von mir gerne zitierten „gesunden Menschenverstand“. Ich überlege, wie das Tier – egal ob groß oder klein, Pflanzen- oder Fleisch- oder Allesfresser – leben würde.

Am Beispiel der Natur orientieren

In der Natur, ohne zu viel Haustierhaltung oder in optimaler Haustierhaltung, mit Anlehnung an die Exemplare, die in der Wildbahn leben. Was tun die den ganzen Tag? Was fressen die? Was für Möglichkeiten haben sie? Und was für Nachteile und Gefahren? Letzteres lassen wir mal weg. Ersteres suchen wir zu realisieren. Also für alle viel Bewegung, viele Anreize, viel Freiheit und ganz viel gucken, was das Individuum Tier braucht. Ist es eher ruhig oder lebhaft, dominant in der Herde oder braucht Schutz vor den anderen, regt es sich schnell auf, ist es robust oder zart, jung oder alt.

Ist alles an der Haltung super, dann sehe ich das auch. Ich fühle es, das Tier „sagt“ es mir, es ist gesund oder wird es, es fühlt sich wohl und freut sich des Lebens, sieht prima aus. Dann kommt wieder die Dosierung! Macht es Sinn ein Kilo dieser Heilkräutermischung auf einmal zu geben? Nein! Jeden Tag ein Händchen und das für eine gewisse Zeit. Denn kein Tier hat jeden Tag dasselbe Futter zur Verfügung, egal ob Winter oder Sommer. Kein Tier schwimmt im Heilkräutermeer, sondern sucht sich seine Heilpflanzen und knabbert davon so viel es benötigt und hört auf, auch wenn noch was da ist und wendet sich wieder anderem zu. Es frisst nicht Erde, bis sich ein Loch vor ihm auftut. Es frisst mal einen Esslöffel voll Erde und dann ist es gut.

Füttern und behandeln mit gesundem Menschenverstand und Bauch

So mache ich es auch, wenn ich sehe, dass das Tier Heilerde und Co. benötigt. Mal eine Woche einen Esslöffel Erde übers Futter und beobachten, was passiert und wieder Stopp. Das richtige Maß zwischen dem Zuviel und Zuwenig herauszufinden ist die Kunst. Diese Kunst beruht auf dem Verstand, auf Erfahrungen, die von anderen und von mir kommen, und auf genauer, einfühlsamer Beobachtung meines Tieres. Gucken, was passiert, wenn ich dieses oder jenes zusätzlich gebe.

Ein Basiswissen über die Biologie der Tiere setzte ich bei der Tierhaltung voraus. Ebenso über die Fütterung und was jedes Tier braucht und wie es in dem Tier funktioniert – plump ausgedrückt. Hier tut sich viel, es gibt immer wieder Neues, kein Stillstand und manchmal muss man alte und gewohnte Glaubenssätze über Bord werfen und sich noch einmal schlau machen und auf den neuesten Stand des Wissens bringen. Früher lagen die Hofhunde an der Kette und Kuh und Pferd wurden im Stall angebunden, notfalls den ganzen Winter über. Heute nicht mehr dran zu denken und das ist nur gut so. In der Fütterung ist es ähnlich und das Ganze kann recht kompliziert werden.

Spezialfall Homöopathie

In jedem Milchzuckerkügelchen ist Energie und Information, dann ist es eigentlich egal, ob ich wenige oder viele gebe. Für den, der die Kügelchen gibt, ist es ein Thema. Denn soll ein Zwerghase 10 weiße Kügelchen essen können und das riesengroße Kaltblutpferd bekommt nur zwei, von denen eins sicher irgendwo in dem unendlichen Maul verloren geht? Was sollen da die Dosierungsangaben? Die werden immer gegeben, in jedem Buch stehen die, weil alle die haben wollen und dann bekommen sie die. Zu sagen, nimm wie du meinst, ist gewagt. Wenn dir drei Globuli für deinen Hund gut erscheinen, dann gib drei und guck, was passiert. Sind dem Bauch nach fünf besser, weil überall so geschrieben wird, dann nimm die fünf und zur Vorsicht noch eins mehr. Sind sechs.

Die Hersteller der homöopathischen Medikamente sind logischerweise darauf bedacht, dass das Gläschen flott leer wird. Also sind die Angaben von ihnen dementsprechend. Aber sind sie richtig? Sind die Angaben in der Fachliteratur, in den Seminaren, des Therapeuten richtig. Ist es nicht wieder vom Individuum anhängig, wieviel und wie oft in welcher Potenz? Muss man nicht gerade hier schauen, was nach der ersten Gabe passiert und in Folge entscheiden, wie es weiter geht?

Wie war das mit dem Körpergewicht?

Und dann ist mir noch eingefallen, das zur Berechnung und Angabe einer Dosis in vielen „Fellen“ das korrekte Körpergewicht fehlt. Kleinere Tiere kann man wiegen und auch der Tierarzt wiegt die Tiere. Bei den größeren Tieren, ab Schaf, Ziege, Pony, Esel oder Pferd, ist das selten so einfach. Manchmal kommt eine mobile Waage auf die Höhe und man hat einen aktuellen Wert, der aber in einigen Wochen schon wieder anders sein kann. Kennen wir von der eigenen Waage im Badezimmer, oder? Also arbeiten wir auch in diesem Bereich mit Schätzwerten und wissen nichts Genaues.

Schlussfolgerung

Wichtig sind ein gesundes Basiswissen, gesunder Menschenverstand, ein gutes Bauchgefühl, aus das man auch hört und beobachten, erspüren, hingucken und Erfahrungen machen – beim Füttern, beim Therapieren, beim Leben mit dem Tier.


Autorin:

Christine Erkens, Monschau – www.thp-erkens.de

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