Ein Welpe im üblichen Krankheitssumpf – Die Abwärtsspirale (Teil 1)

Ein Welpe im üblichen Krankheitssumpf Teil 1

Familie M. Aus K. am R. sitzt mit ihrem gerade abgeholten Welpen, nennen wir ihn Findus, im Auto auf dem Rückweg nach Hause. Der kleine putzmuntere Schatz sitzt auf dem Schoß der frisch gebackenen Hundebesitzerin Frau M. Herr M. Fährt das Auto. Auf der Rückbank liegt ein Sack Welpen-Trockenfutter und eine Kuscheldecke von den Wurfgeschwistern, damit der Kleine sich die erste Zeit an seine Hundefamilie erinnern kann.

Zu Hause angekommen, erkundet der Kleine alles neugierig. Im Garten spielt er mit einer Blume und versucht tollpatschig einen Schmetterling zu fangen. Der Nachbar von Familie M., Herr S. beobachtet alles und meint: „Was für ein liebenswerter kleiner Kerl. Waren sie denn schon beim Tierarzt zwecks Kontrolle?“ Ratlos schauen sich Herr- und Frau M. An und schütteln beide betreten mit dem Kopf. Mutig fragt Frau M: Nein wieso denn? Ihm geht es gut und wir haben ihn gerade erst abgeholt.“ Herr S.: „Na wegen der Vorsorge. Der Hund muss schließlich auch geimpft und entwurmt werden. Sonst wird er richtig krank und schleppt Parasiten ins Haus.“

Etwas verunsichert bedanken sich Herr und Frau M. und ziehen sich mit dem kleinen Welpen ins Haus zurück. Müde von dem anstrengenden Tag, schläft der kleine Hund sofort ein, während seine Besitzer etwas angekratzt vor dem PC brüten. Nachdem sie alles zum Thema Welpen-Vorsorge gelesen haben, beschließen sie gleich für Montag einen Termin mit einem Tierarzt zu vereinbaren. Bis dahin genießen sie das Wochenende mit ihrem kleinen, verspielten und putz munteren Welpen.

Am Montag in der Tierarztpraxis angekommen, betritt Familie M. mit Findus den Behandlungsraum von Frau Dr. Z. Freundlich werden alle begrüßt und Frau Dr. Z. widmet sich dem kleinen Hund und untersucht ihn. Hinterher fragt sie: „Soweit sieht der junge Mann gut aus. Den Impfausweis haben sie dabei?“ Herr und Frau M. schauen sich betreten an. Herr M. sagt schüchtern: „Also unsere Züchterin hatte uns dazu geraten den Kleinen erst mit 12 Wochen und dann auch nur gegen Tollwut impfen zu lassen.“ Die Augen von Frau Z. werden groß. Etwas ungehalten entgegnet sie: „Ist das ihr Ernst? Das könnte sein Leben gefährden“ und deutet auf das kleine Fellknäul. „Wie sieht es denn mit seiner Entwurmung aus?“ fragt die Ärztin. Frau M. errötet und antwortet vorsichtig: „Nun er ist bis jetzt mit Kräuterbuttermilch entwurmt worden. Das ist alternativ“. Für eine kurzen Augenblick ist Frau Dr. Z. fassungslos und bestürzt gleichzeitig. Einige Kopfschütteln später hat sie sich gefasst und versucht nun möglichst ruhig zu erklären: „Welpen müssen von Geburt an, bis sie 12 Wochen alt sind, alle 14 Tage mit einem richtigen Wurmmittel entwurmt werden. Danach dann alle 4 Wochen bis zum ersten Lebensjahr. Mit 8 Wochen werden sie das erste mal geimpft gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Leptospirose. Mit 12 und 16 Wochen wird die Impfung wiederholt. Dann kommt zusätzlich die Tollwutimpfung mit dazu. Abgeschlossen ist die Grundimmunisierung mit einem Jahr, wenn er nochmals gegen alle Krankheiten geimpft wurde. Danach muss eine Impfung jährlich wiederholt werden. Wenn sie ihr Hundekind nicht gegen die Krankheiten impfen lassen, riskieren sie sein Leben. Sie riskieren, dass er an einer dieser Krankheiten qualvoll sterben muss. Wenn Welpen nicht regelmäßig im Abstand von 14 Tagen entwurmt werden riskieren sie einen starken Wurmbefall, der ihren Hund, sie und andere Menschen und Tiere in ihrer Umgebung gefährdet. Wollen sie das alles?“

Nach diesem Monolog sind Herr und Frau M. bestürzt und antworten gleichzeitig: ,,Nein, natürlich nicht. Was raten sie uns denn nun zu tun?“ Die Tierärztin freut sich über diese Reaktion und reagiert prompt: „Heute würde ich ihn zuerst impfen. Dann gebe ich ihnen Wurmtabletten mit, die sie alle 14 Tage einmalig geben. Dann sind sie erst mal auf der sicheren Seite. Nach 4 Wochen sehen wir uns dann zur Impf-Auffrischung und Tollwutimpfung wieder.“ Gesagt, getan, Familie M. Ist einverstanden und fährt beruhigt mit ihrem kleinen Schatz nach Hause. Zu Hause angekommen, legt sich der kleine Welpe Findus schlafen. Nachdem er nun 4 Stunden geschlafen hat, ohne sich blicken zu lassen ist Frau M. Etwas in Sorge und schaut nach ihm. Als sie ihn vorsichtig streichelt, hebt er benommen sein Köpfchen, um sich gleich wieder hin zu legen. Abends trägt sie ihn in den Garten. Er ist sehr matt und fühlt sich heiß an. Besorgt ruft sie in der Tierarztpraxis an. Die Tierärztin erklärt: „Das ist völlig normal. Das Immunsystem setzt sich mit der Impfung auseinander und reagiert darauf.“ Am nächsten Tag ist der kleine Hund wieder fast normal. Familie M. Ist beruhigt und gibt ihrem kleinen Hundekind nach 3 Tagen die erste Wurmkur.

Zwei Tage später wacht Frau M. durch ein lautes Winseln mitten in der Nacht auf. Auf dem Weg zum Lichtschalter tritt Frau M. in etwas undefinierbares und wundert sich über den strengen Geruch im Raum. Als sie das Licht einschaltet, sieht sie die Bescherung. Der kleine Welpe hat mehrere Durchfall-Lachen ins Zimmer gemacht und hat sich nun gerade eben übergeben. Gerade zittert er und sieht sehr unglücklich aus. Frau M. weckt ihren Mann, der sich um das Malheur kümmert, während sie nach dem Kleinen schaut. Dieser fühlt sich kalt an und hat einen harten, prallen Bauch. Sie holt eine warme Decke, legt ihn in sein Körbchen und setzt sich dazu. Zwischenzeitlich ist ihr Mann mit den Putz-Arbeiten fertig und setzt sich zu den beiden. Der kleine Hund ist wieder eingeschlafen, so nicht Herr- und Frau M.

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Die gleiche Aktion hat sich in der Nacht noch dreimal wiederholt, also fahren alle am nächsten Morgen in die Tierarztpraxis. Frau Dr. Z. wundert das alles überhaupt nicht, schließlich wurde ja mit dem Entwurmen viel zu spät angefangen. „Der hätte von vorne herein richtig entwurmt werden müssen“, sagt sie. „Er bekommt nun ein Antibiotikum zur Vorbeugung gegen eine Darmentzündung und was gegen die Schmerzen. Zusätzlich bekommen sie ein Probenröhrchen, mit dem sie 3 Tage Kot sammeln. Diesen untersuchen wir dann auf Giardien. Ich gebe ihnen noch ein Spezialfutter mit. Eine spezielle Schonkost, die sie nur beim Tierarzt bekommen“.

Glücklich, dass ihrem kleinen Hundekind geholfen wurde, verlässt Familie M. nun die Praxis. Drei Tage später liefert Frau M. die Kotprobe in der Praxis ab und dem Welpen wird die zweite Injektion Antibiotikum gespritzt. „Wie geht es denn unserem Patienten heute?“ fragt Frau Dr. Z. „Besser, die Haufen sind weniger geworden und nicht mehr ganz so dünnflüssig wie am Anfang“, antwortet Frau M. Zufrieden mit dem Ergebnis nimmt die Tierärztin die Kotprobe entgegen und bringt sie ins Labor. Frau M. nimmt im Wartezimmer Platz. Nach einer Weile wird sie von der Tierärztin wieder aufgerufen. Im Sprechzimmer erklärt sie Frau M. dass der Kleine Giardien habe und er nun noch ein Mittel dagegen bekommt. Frau M. ist einverstanden. Schließlich soll es Findus bald besser gehen. Zu Hause gibt sie ihm das Mittel zusätzlich zum Antibiotikum für 5 Tage. Langsam erholt sich der kleine Hund, aber so richtig gut ist es noch nicht. Seine Haufen sind immer noch breiig, manchmal wie Pudding. Das erzählt sie auch der Tierärztin beim nächsten Termin zur Folgeimpfung. Während sie die Impfung aufzieht, winkt sie ab und sagt: „Frau M, das dauert eben seine Zeit. Machen sie weiter mit der 14 tägigen Entwurmung und in 14 Tagen machen wir nochmal eine Kur mit dem Giardien-Mittel“.

Sobald Frau M. mit Findus wieder zu Hause ist, zieht er sich in sein Körbchen zurück und wird wieder die nächsten Stunden nicht gesehen. Frau M. beschleicht langsam ein komisches Gefühl. Als Herr M. am Abend nach Hause kommt, rennt Findus nicht wie gewohnt zur Tür und begrüßt ihn, wie sonst jeden Abend. Dieser wundert sich sehr und Frau M. erinnert ihn an die heutige Impfung, die ja stattgefunden hat und dass sein Immunsystem wohl wieder arbeitet.

Am nächsten Morgen ist Findus zwar immer noch etwas wackelig, aber deutlich munterer. Frau M. entdeckt, dass er sich auffällig oft an der Impfstelle kratzt, denkt sich aber nichts dabei. So vergehen weitere 4 Wochen bis zur nächsten Impfung. Zwischendurch wurde fleißig weiter entwurmt. Das Futter wurde mittlerweile auf das von der Tierärztin empfohlene Trockenfutter umgestellt, mit dem die Praxis auch selber wirbt. Alles scheint wunderbar zu laufen. Bis zu dem Tag, an dem Familie M. sonntags auf der Couch sitzt und sie feststellen, dass Findus sich ununterbrochen kratzt, benagt und leckt. Einige Stellen sind auch schon ganz schön rot. Als das Ganze auch über Nacht nicht aufhört, fährt Frau M. am nächsten Tag wieder zur Tierärztin, die ihm sicherheitshalber ein Kortisonpräparat spritzt. Der Juckreiz hört sofort auf, kehrt allerdings nach 5 Tagen zurück. Also die gleiche Prozedur nochmal. Nur, dass Frau M. diesmal Kortison-Tabletten und Antibiotikum-Salbe für 14 Tage mit bekommt. „Wenn es dann nicht besser wird, müssen wir uns mit dem Thema Allergie beschäftigen, sagt Frau Dr. Z. Soweit so gut, alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Findus spielt, seine offenen Hautstellen heilen, eigentlich ist alles wie immer, bis Familie M. die Kortisontabletten absetzt. Drei Tage später kratzt sich Findus ununterbrochen. An manchen Stellen geht ihm das Fell bereits aus und er hat einen komischen käsigen Geruch bekommen. Hier denken Herr und Frau M. das erste mal sehnsüchtig an das Wochenende zurück, als Findus bei ihnen eingezogen ist und noch alles in Ordnung war.

Am nächsten Tag findet ein weiterer Besuch bei Frau Dr. Z statt. Sie bestätigt ihren anfänglichen Verdacht der Allergie. Findus bekommt nun ein hypoallergenes Futter, Tabletten gegen allergischen Juckreiz und wieder die Antibiotikum-Salbe. „Wegen der Sekundärinfektionen der Haut“, betont Frau Dr. Z. Gesagt, getan, Familie M stellt langsam das Futter um und Findus bekommt seine Tabletten. „Der Juckreiz ist etwas besser geworden, doch nun hat er wieder fürchterlichen Durchfall“ erklärt Familie M. Frau Dr. Z eine Woche später. Diese ist sichtlich betroffen und sagt: „Herrje, unser Sorgenkind. Ich befürchte fast es sind wieder die Giardien. Sammeln sie doch bitte noch einmal Kot über 3 Tage“ und drückt Herrn M. das Gefäß in die Hand. Diesmal jedoch ist dieser Befund negativ. Wie so viele andere Untersuchungen auch.

Durchfall und Juckreiz wechseln sich ab oder treten gemeinsam auf. Findus ist mittlerweile sehr dünn geworden und durch den ständigen Juckreiz sieht sein Fell aus wie ein Flickenteppich. Sein Geruch ist dementsprechend. Andere Hundebesitzer flüchten, wenn sie Findus sehen, aus Angst ihr eigener Hund könnte sich anstecken. Familie M. ist verzweifelt. Diverse Bäder und Diäten haben keine Linderung gebracht. Gestern erhielten sie endlich eine Diagnose für den Durchfall von Findus: IBD, eine chronische Darmentzündung unbekannter Ursache. Nicht heilbar und nur schwer in den Griff zu kriegen mit Spezialdiäten und Medikamenten.

Herr- und Frau M. sitzen gemeinsam auf einer Parkbank. An der Leine, der mittlerweile 10 Monate alte Findus. Mit Tränen in den Augen sagt Frau M. zu ihrem Mann: „Weißt Du noch damals, an dem Wochenende, an dem wir Findus geholt haben und die Welt noch in Ordnung war?“ Bedächtig nickt Herr M. und stellt die Frage in den Raum: „Was haben wir nur falsch gemacht? Wir haben doch alles getan, wozu uns geraten wurde?“

Fortsetzung folgt…

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