Wie Futter das Altern beeinflusst

Frischfutter oder Trockenfutter – macht die Ernährung beim Altern einen Unterschied?

Auf einen Blick: Eine Cornell-Studie zeigt, dass Frischfutter den Stoffwechsel alter Hunde messbar verändert – unter anderem sinken bestimmte Alterungsmarker im Blut. Ein Beweis, dass Frischfutter-Hunde länger leben, ist das nicht. Klarer belegt ist dagegen: Moderate Futtermengen verlängern nachweislich das Leben. Was das für deinen Hund bedeutet, liest du hier.

Jeder Hundehalter kennt diesen Moment: Der treue Weggefährte wird grau um die Schnauze, steht morgens etwas steifer auf, schläft ein bisschen länger. Altern gehört dazu, keine Frage. Aber was, wenn ein Teil davon gar nicht so unausweichlich ist, wie wir immer dachten? Was, wenn ausgerechnet der Futternapf ein Hebel ist, an dem wir drehen können?

Genau dieser Frage ist ein Forscherteam der Cornell University kürzlich nachgegangen – und das Ergebnis lohnt einen genaueren Blick.

Die Studie: 22 alte Hunde, ein Jahr, zwei Futterarten

Untersucht wurden 22 geriatrische Hunde, alle über zwölf Jahre alt, also im „hohen Alter” ihres Hundelebens angekommen. Ein Jahr lang bekam die eine Hälfte klassisches extrudiertes Trockenfutter, die andere Hälfte ein vollständiges, gekochtes Frischfutter. Am Ende wurde verglichen, was sich in ihrem Blut an Stoffwechselparametern verändert hatte.

Und da tat sich einiges. Bei den Hunden mit Frischfutter zeigten sich deutliche Veränderungen bei Fettstoffwechsel, Omega-3-Fettsäuren, Ketonkörpern und Aminosäuren. Am spannendsten aber: Sie hatten niedrigere Werte bei sogenannten Advanced Glycation End Products, kurz AGEs.

Mitautor Joseph Wakshlag, Tierarzt und Ernährungsspezialist an der Cornell University, beschrieb die beobachteten Effekte als bemerkenswert schnell und über den gesamten Studienzeitraum stabil – bereits nach einem Monat hatte sich der Stoffwechsel der Frischfutter-Hunde spürbar verändert, und dieser Effekt blieb ein ganzes Jahr lang bestehen.

Was zum Teufel sind AGEs?

Keine Sorge, das ist einfacher als der Name klingt. AGEs entstehen, wenn Zucker sich mit Proteinen oder Fetten verbindet – ein bisschen so, als würde Karamell im Körper entstehen, nur dass es dort niemand haben will. Diese Verbindungen lagern sich im Gewebe ab, versteifen es regelrecht und werden mit oxidativem Stress und Alterungsprozessen in Verbindung gebracht.

Man kennt das Prinzip übrigens auch vom Menschen: Stark erhitzte, industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten mehr davon als frisch zubereitete Kost. Bei der Herstellung von Trockenfutter wird bei hohen Temperaturen extrudiert – also im Grunde regelrecht gebacken. Dass dabei mehr AGEs entstehen als beim schonenden Kochen, überrascht insofern wenig.

Heißt das jetzt: Trockenfutter macht Hunde alt?

Nein. Und genau hier möchte ich ehrlich mit dir sein, denn das ist mir wichtig: 22 Hunde sind eine kleine Gruppe, die Studie lief nur ein Jahr, und niemand hat gemessen, ob die Frischfutter-Hunde am Ende tatsächlich länger gelebt haben. Es wurde der Stoffwechsel angeschaut, nicht die Lebenserwartung.

Wichtig zu wissen: Das für die Studie verwendete Frischfutter stammte von einem kommerziellen Hersteller, der auch an der Studie beteiligt war. Das macht die Ergebnisse nicht automatisch falsch, sollte aber bei der Bewertung mitgedacht werden.

Man kann also nicht seriös behaupten, Trockenfutter würde Hunde krank machen oder ihr Leben verkürzen. Dafür fehlt schlicht der Beweis. Was die Studie aber zeigt: Die Art der Fütterung hinterlässt messbare Spuren im Körper – und einige davon betreffen ausgerechnet die Prozesse, die mit dem biologischen Altern zu tun haben. Das ist mehr, als man bisher wusste.

Der zweite Baustein: Weniger Futter, mehr Jahre

Es gibt aber noch einen zweiten Faktor, der beim Altern nachweislich eine Rolle spielt – und der hat nichts mit BARF oder Trockenfutter zu tun, sondern mit der Menge. Wenn wir schon beim Thema Altern sind, lohnt sich ein Blick auf eine der aussagekräftigsten Langzeitstudien, die es zum Thema Hundefütterung überhaupt gibt – interessanterweise ging es dabei gar nicht um BARF gegen Trockenfutter, sondern um die Menge.

48 Labrador Retriever wurden ihr ganzes Leben lang beobachtet. Eine Gruppe bekam ein Viertel weniger Futter als ihre jeweilige Vergleichsgruppe. Das Ergebnis: Die moderater gefütterten Hunde lebten im Schnitt fast zwei Jahre länger, und typische Alterserkrankungen wie Arthrose traten deutlich später auf.

Zwei Jahre – bei einem Hundeleben ist das eine ganze Menge. Und diese Studie lief nicht ein Jahr, sondern ein ganzes Hundeleben lang. Sie gehört zu den wenigen Arbeiten, die wirklich zeigen: Wie wir füttern, wirkt sich auf die Lebensspanne aus.

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Was bedeutet das jetzt für dich und deinen Hund?

Ich möchte hier keine Panik verbreiten und auch keine Wunderformel verkaufen. Aber ein paar Dinge lassen sich aus dem, was wir wissen, durchaus mitnehmen:

  • Schlankes Körpergewicht ist wahrscheinlich der stärkste Hebel überhaupt. Kein Nahrungsergänzungsmittel, kein Superfood schlägt bisher die Wirkung von schlicht angemessener Futtermenge.
  • Frischfutter scheint stoffwechselseitig Vorteile zu haben, gerade bei älteren Hunden. Ob das am Ende auch mehr Lebensjahre bedeutet, ist noch nicht bewiesen, aber die Richtung stimmt nachdenklich.
  • Verarbeitungsgrad könnte eine Rolle spielen. Je schonender ein Futter zubereitet wird, desto weniger AGEs landen vermutlich im Napf.
  • Ausgewogenheit bleibt das A und O. Egal ob gekocht, roh oder aus der Tüte: Ein Nährstoffmangel oder -überschuss schadet mehr, als jede noch so raffinierte Fütterungsart nützen kann.

Am Ende bleibt die ehrliche Antwort: Wir haben keinen Beweis, dass BARF- oder Frischfutter-Hunde grundsätzlich länger leben als Trockenfutter-Hunde. Aber wir haben gute Hinweise, dass Ernährung beim Altern eine echte Rolle spielt – und dass sich ein Blick in den Napf lohnt, gerade wenn dein Hund schon ein paar graue Haare mehr hat als früher.

Vielleicht ist genau das die beste Nachricht aus dieser Studie: Du musst nicht wehrlos zusehen, wie die Zeit an deinem Hund nagt. Ein Teil davon liegt tatsächlich in deiner Hand – oder besser gesagt, in seinem Futternapf.

Übrigens: Wenn dein Hund schon älter ist, lohnt sich auch ein Blick auf unseren Artikel Kälte, Feuchtigkeit, Arthrose: Wie du deinen Hund unterstützen kannst – dort geht es um typische Alterserscheinungen an den Gelenken und wie du sie ganzheitlich unterstützen kannst. Und weil gesundes Altern beim Menschen im Grunde denselben Prinzipien folgt, findest du in Die Zukunft ist jung: Wie Wissenschaft und Lebensstil das Altern umkehren noch mehr Hintergrund dazu, was Ernährung und Lebensstil beim Alterungsprozess bewirken können – nicht nur beim Hund.


Quellen

  • Yamka, R. et al. (2025): Serum Metabolomics of Senior Dogs Fed a Fresh, Human-Grade Food or an Extruded Kibble Diet. Metabolites 15(10), 676. https://doi.org/10.3390/metabo15100676
  • Kealy, R. D. et al. (2002): Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 220(9), 1315–1320.

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