MSM beim Pferd

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MSM beim Pferd – was der organische Schwefel wirklich leisten kann

Es gibt Stoffe, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken – ein weißes Pulver, geruchlos, mit leicht bitterem, schwefeligem Eigengeschmack – und die trotzdem an ziemlich vielen Baustellen im Pferdekörper gleichzeitig mitmischen. MSM ist so ein Kandidat. Kaum ein Nahrungsergänzungsmittel taucht in der Pferdefütterung so häufig auf, und kaum eines wird so oft missverstanden. Zeit, einmal genauer hinzuschauen: Was steckt eigentlich dahinter, und was kann es wirklich?

Was ist MSM überhaupt?

MSM steht für Methylsulfonylmethan, eine organische Schwefelverbindung. Sie kommt ganz natürlich in vielen Lebensmitteln vor – in Obst, Gemüse, Getreide und Milch. Das Problem: MSM ist extrem hitze- und verarbeitungsempfindlich. Wird Futter erhitzt, gepresst oder lange gelagert, geht ein Großteil davon verloren. Gerade bei industriell verarbeitetem Kraftfutter kommt deshalb häufig weniger Schwefel beim Pferd an, als der Körper eigentlich braucht.

Chemisch betrachtet ist MSM übrigens ein natürliches Stoffwechselprodukt von DMSO (Dimethylsulfoxid) im Körper.

Wusstest Du, dass MSM seinen Ursprung eigentlich im Meer hat? Plankton in den Ozeanen produziert eine Schwefelverbindung, die in die Atmosphäre aufsteigt, dort durch Sonnenlicht umgewandelt wird und schließlich mit dem Regen wieder auf die Erde fällt. Über den Regen gelangt der Schwefel dann in Pflanzen und darüber letztlich auch ins Futter. MSM ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Naturprodukt, das seinen weiten Weg vom Ozean bis in den Trog schon lange vor uns Menschen zurückgelegt hat.

Warum Schwefel für den Pferdekörper so wichtig ist

Schwefel ist kein Nebendarsteller im Stoffwechsel, sondern ein zentraler Baustoff. Er steckt in schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystein – und die wiederum sind Grundbausteine für Keratin. Keratin ist genau das Protein, aus dem Haare, Haut und Hufhorn bestehen. Ohne ausreichend Schwefel kein stabiles Horn, kein glänzendes Fell, keine belastbare Haut.

Auch für Kollagen, den Hauptbestandteil von Knorpel, Sehnen, Bändern und Bindegewebe, ist Schwefel unverzichtbar. Er sorgt mit dafür, dass sich die Kollagenfasern richtig vernetzen und ihre Struktur stabil bleibt.

Wofür MSM beim Pferd konkret eingesetzt wird

Gelenke, Sehnen und Bänder Das ist mit Abstand der bekannteste Einsatzbereich. MSM wird traditionell bei Arthrose, Gelenkverschleiß und allgemeiner Belastung der Bewegungsorgane gefüttert. Untersuchungen deuten darauf hin, dass MSM entzündungshemmend wirkt und die körpereigene Produktion entzündungsfördernder Stoffe dämpft. Für Pferde mit Gelenkproblemen, aber auch für Sportpferde, die ihre Gelenke, Sehnen und Bänder täglich stark beanspruchen, ist das ein naheliegender Ansatzpunkt.

Haut, Fell und Hufe Weil Schwefel der Grundbaustein für Keratin ist, wirkt sich eine gute Versorgung direkt auf die Qualität von Fell und Hufhorn aus. Stumpfes, brüchiges Fell, schuppige Haut oder weiches, ausbrechendes Hufhorn gelten als klassische Hinweise darauf, dass hier möglicherweise ein Engpass besteht. Besonders in Phasen mit erhöhtem Bedarf – etwa im Fellwechsel oder bei Hufproblemen – wird MSM deshalb gerne ergänzt.

Gerade der Fellwechsel im Frühjahr und Herbst ist so eine Phase mit erhöhtem Bedarf: Damit binnen weniger Wochen ein komplett neues Haarkleid entstehen kann, muss der Körper große Mengen Keratin nachproduzieren – und dafür braucht er ausreichend Schwefel als Baustoff. Wer seinem Pferd schon im Vorfeld oder zu Beginn des Fellwechsels etwas MSM gibt, unterstützt damit genau diesen Prozess, statt erst zu reagieren, wenn das Fell bereits stumpf wirkt oder büschelweise ausfällt. In der Praxis zeigt sich bei einer gezielten Schwefelversorgung häufig schon innerhalb weniger Wochen eine spürbar bessere Hornqualität im Saumbereich, beruhigte Haut und eine dichter nachwachsende Mähne beziehungsweise Schweif.

Atemwege Ein weniger bekannter, aber gut nachvollziehbarer Zusammenhang: Fehlt Schwefel, kann der Körper bei der Bildung der Aminosäure Cystein ersatzweise Selen statt Schwefel einbauen – es entsteht Selenocystein statt des eigentlich benötigten, schwefelhaltigen Cysteins. Das ist deshalb relevant, weil schwefelhaltiges Cystein unter anderem für die Bildung der schützenden Schleimschicht in den Atemwegen gebraucht wird. Bei Pferden mit chronischen Atemwegsproblemen (etwa COPD oder Heustauballergie) wird eine ausreichende Schwefelversorgung deshalb ebenfalls mitgedacht, und bei chronisch hustenden Pferden wird in der Praxis häufig eine deutlich verbesserte Atemwegssymptomatik beobachtet.

Allergische Reaktionen und Juckreiz MSM steht zudem im Verdacht, das Immunsystem bei überschießenden allergischen Reaktionen zu beeinflussen. Am besten untersucht ist das bislang bei Heuschnupfen-artigen Beschwerden, aber auch bei Hautjucken und Hautirritationen wird MSM in der Pferdefütterung häufig ergänzt, insbesondere bei Pferden mit empfindlicher Haut oder wiederkehrenden Hautproblemen.

Regeneration und Belastung Studien an Sportlern zeigen, dass MSM oxidativem Stress und Muskelkater nach intensiver Belastung entgegenwirken kann und die Erholung unterstützt. Übertragen auf Pferde heißt das: Bei intensivem Training, Wettkampf oder auch nach Verletzungen kann MSM ein sinnvoller Baustein sein, um die Regeneration zu unterstützen.

Ein ehrlicher Hinweis gehört hier dazu: Die meisten der zitierten Studien zu MSM stammen aus der Humanmedizin und dem Sportbereich, nicht aus gezielter Forschung am Pferd. Die Wirkmechanismen von Schwefel im Stoffwechsel sind zwischen Mensch und Pferd zwar gut übertragbar, pferdespezifische Studien sind aber vergleichsweise rar. Die Erfahrungswerte aus der Praxis sind gut, eine wissenschaftliche Lücke bleibt aber bestehen.

Wie viel MSM braucht ein Pferd?

Als grobe Orientierung hat sich in der Praxis eingebürgert:

  • Großpferd (ca. 500 kg): rund 4 g täglich
  • Kleinpferd/Pony: rund 2 g täglich
  • Bei erhöhtem Bedarf (z. B. akute Gelenkbeschwerden) wird die Menge teils verdoppelt

Es wird empfohlen, MSM langsam einzuschleichen: mit einer niedrigeren Menge beginnen und diese über ein bis zwei Wochen bis zur vollen Zieldosis steigern. Der Grund: Wird zu schnell zu viel gefüttert, kann das den Magen-Darm-Trakt reizen und zu weichem Kot oder Durchfall führen. Läuft die Verdauung während der Einschleichphase unauffällig, kann anschließend die volle Menge über mehrere Wochen bis Monate als Kur weitergefüttert werden.

So gelingt die Fütterung in der Praxis

MSM ist ein feines, weitgehend geruchloses Pulver mit einem leicht bitteren, schwefeligen Eigengeschmack, das sich trotzdem unkompliziert ins tägliche Futter einarbeiten lässt. Ein paar Kniffe machen die Fütterung noch etwas runder:

  • Auf zwei Portionen aufteilen: Statt die Tagesmenge auf einmal zu geben, wird MSM meist morgens und abends in zwei Portionen gefüttert. Das verteilt die Belastung für den Verdauungstrakt gleichmäßiger und hält den Schwefelspiegel im Körper konstanter.
  • Mit leicht feuchtem Futter mischen: Da das feine Pulver sonst leicht zu Boden sinkt oder vom Pferd aussortiert wird, lässt es sich am besten unter angefeuchtetes Futter mischen, etwa eingeweichte Rübenschnitzel oder Mash. Das kaschiert nebenbei auch den bitteren Eigengeschmack.
  • Regelmäßigkeit zählt mehr als Perfektion: Weil MSM keine Depotwirkung hat, kommt es vor allem auf die tägliche, konstante Fütterung an. Eine gelegentlich vergessene Gabe ist kein Drama, sollte aber nicht zur Regel werden.
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Worauf Du beim Kauf achten solltest

MSM wird technisch aus DMSO und Wasserstoffperoxid gewonnen. Je nach Herstellungsverfahren unterscheidet sich dabei die Reinheit des Endprodukts deutlich: Bei der einfachen Kristallisation können Reste des Ausgangsstoffs DMSO sowie Produktionshilfsstoffe im MSM verbleiben. Hochwertigere Verfahren arbeiten stattdessen mit mehrfacher Destillation, wodurch ein deutlich reineres Endprodukt entsteht – üblich sind hier Reinheitsgrade von 99 % und mehr. Ein Blick auf die Deklaration lohnt sich also: Reines MSM ohne unnötige Zusatz- oder Rieselstoffe ist in der Regel die bessere Wahl.

Fazit: Kleines Molekül, große Wirkung

MSM ist eines dieser Ergänzungsfuttermittel, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken, bei genauerem Hinsehen aber an entscheidenden Stellen im Pferdekörper ansetzen: Gelenke, Bindegewebe, Haut, Fell, Hufe und Immunsystem hängen alle mit einer ausreichenden Schwefelversorgung zusammen. Wer seinem Pferd etwas Gutes tun möchte – sei es vorbeugend, bei ersten Anzeichen von Verschleiß oder einfach für ein glänzenderes Fell – findet in MSM einen unkompliziert zu fütternden, gut untersuchten Baustein.

Quellen

  • Kalman, D. et al. (2012): Influence of methylsulfonylmethane on markers of exercise recovery and performance in healthy men: a pilot study. Journal of the International Society of Sports Nutrition. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3500738/
  • Hewlings, S. & Kalman, D. (2018): Evaluating the Impacts of Methylsulfonylmethane on Allergic Rhinitis After a Standard Allergen Challenge: Randomized Double-Blind Exploratory Study. JMIR Research Protocols. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6293242/
  • Barmaki, S. et al. (2012): Effects of Methylsulfonylmethane (MSM) on exercise-induced oxidative stress, muscle damage, and pain following a half-marathon. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5521097/
  • Godwin, S. et al. (2015): MSM enhances LPS-induced inflammatory response after exercise. Journal of the International Society of Sports Nutrition. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4595096/
  • Effect of Dietary Methylsulfonylmethane Supplementation on Growth Performance, Hair Quality, Fecal Microbiota, and Metabolome in Ragdoll Kittens (2022): Tierstudie zum Zusammenhang zwischen MSM-Fütterung und Fellqualität. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9292726/

Hinweis: Die ersten vier Studien wurden am Menschen bzw. im Sportkontext durchgeführt und auf die Situation beim Pferd übertragen, wie im Artikel selbst eingeordnet. Die Kittenstudie ist die einzige der hier verlinkten Untersuchungen mit einem Tiermodell.

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