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Wie Du Arthrose bei Deinem Tier von Anfang an vorbeugen kannst
Drei Teile haben wir jetzt schon gemeinsam durchgestanden. Wir haben gelernt, wie gut Tiere Schmerzen verstecken können (verdammt gut, wie sich herausstellte). Wir haben verstanden, warum “der ist halt alt” oft die faulste aller Diagnosen ist. Und wir haben durchgekaut, was zu tun ist, wenn die Gelenke schon knarzen wie eine alte Scheunentür.
Jetzt wird’s Zeit für den Teil, den eigentlich alle am liebsten überspringen, weil er nicht so dringend wirkt: die Vorbeugung. Dabei ist genau das der Teil, der am meisten bringt. Arthrose ist nämlich keine Krankheit, die eines Tages einfach über Dein Tier hereinbricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie ist meistens das Ergebnis von tausend kleinen Entscheidungen, die über Jahre getroffen wurden – vom Wurftag bis zum Rentenalter. Die gute Nachricht: Genau deshalb kannst Du an sehr vielen Stellschrauben drehen.
Und ja, das gilt für Hund, Katze und Pferd gleichermaßen, auch wenn jedes seine eigenen Baustellen mitbringt.

Alles beginnt im Welpenalter
oder Fohlenalter, oder als Kitten
Wenn ein Tier noch wächst, sind seine Gelenke im Grunde eine Großbaustelle. Knochen, Knorpel, Bänder und Sehnen entwickeln sich in einem enormen Tempo, und genau das macht diese Phase so empfindlich. Was in den ersten Monaten falsch läuft, trägt das Tier oft sein ganzes Leben mit sich herum.
Bei großen Hunderassen wie Deutschem Schäferhund, Berner Sennenhund oder Labrador ist das besonders bekannt: Wächst so ein Welpe zu schnell, zu schwer oder auf zu hartem Untergrund mit zu viel Sprung- und Stoßbelastung auf, steigt das Risiko für Hüftdysplasie und Ellbogendysplasie spürbar. Deshalb gilt für Welpen großer Rassen: kein stundenlanges Treppensteigen, kein exzessives Ballwerfen, keine langen Spaziergänge mit dem Fahrrad nebenher. Kurze, mehrmalige Spielrunden auf weichem Boden sind völlig ausreichend – der Rest kommt später von ganz allein.
Und das beginnt tatsächlich noch früher, als man denkt – nämlich schon vor der Geburt. Die Genetik der Elterntiere spielt natürlich eine Rolle, aber auch die Fütterung der Mutter während der Trächtigkeit hat nachweislich Einfluss auf die spätere Gelenkgesundheit des Nachwuchses. Das gilt keineswegs nur fürs Pferd: Es gibt Untersuchungen zu Deutschen Schäferhunden, die zeigen, dass die Fütterung der Hündin vor der Geburt das spätere Risiko für Hüftdysplasie beim Wurf mit beeinflusst. Eine gut versorgte, hochwertig ernährte Mutter legt also schon den Grundstein für gesunde Gelenke, lange bevor der Nachwuchs überhaupt die Augen öffnet.
Beim Fohlen ist dieser Zusammenhang besonders gut erforscht: Zu schnelles Wachstum, verursacht durch zu energiereiches Futter der Stute oder später des Fohlens selbst, begünstigt Entwicklungsstörungen an Gelenkknorpel und Knochen (in der Fachsprache als OCD, Osteochondrose, bekannt). Ein Fohlen, das gleichmäßig und nicht im Rekordtempo wächst, hat später deutlich bessere Karten.
Katzenwelpen haben es hier tatsächlich etwas leichter – sie sind von Natur aus leichtgewichtiger gebaut und neigen seltener zu Wachstumsproblemen. Ausnahme: reinrassige Katzen wie Maine Coon oder Perser, bei denen bestimmte Linien anfälliger für Hüftdysplasie sind, als man denkt.
Wusstest Du? Bei großen Hunderassen dauert die Wachstumsphase der Knochen bis zu 18 Monate – bei kleinen Rassen ist sie oft schon nach 8 bis 10 Monaten abgeschlossen. Der Chihuahua ist im Kopf vielleicht noch pubertär, seine Knochen sind es längst nicht mehr.

Fütterung: zu viel des Guten schadet mehr als zu wenig
Ein Klassiker unter den gut gemeinten Fehlern: den Welpen möglichst kräftig füttern, damit er “schön groß und stark” wird. Genau das ist bei größeren Rassen kontraproduktiv. Zu viel Energie, zu viel Kalzium, zu viel Eiweiß im Wachstumsfutter lassen den kleinen Körper schneller wachsen, als das Skelett mithalten kann. Das Ergebnis sind instabile Gelenke, die schon früh überlastet werden.
Die Lösung liegt weniger in einer bestimmten Menge als in der Qualität des Futters. Von industriellem Fertigfutter, und da schließe ich die “speziell abgestimmten” Junior- und Welpenvarianten ausdrücklich mit ein, halte ich persönlich herzlich wenig – das wandert bei mir gedanklich direkt in die Tonne. Deutlich sinnvoller ist selbst gekochtes Futter oder Futter nach dem BARF-Prinzip (also roh und selbst zusammengestellt) aus hochwertigen Zutaten, bei dem Du genau weißt, was drin ist und was eben nicht. Das gilt schon für die Elterntiere, erst recht für Welpen im Wachstum und genauso für erwachsene Hunde und Katzen.
Beim Fohlen gilt derselbe Grundsatz mit hochwertiger, nicht zu energiereicher Fütterung – nur eben nicht mästen. Ein mageres, aber gesundes Fohlen ist einem übergewichtigen, schnell wachsenden Fohlen in Sachen Gelenkgesundheit meilenweit voraus.
Und die gezielte Unterstützung der Gelenke muss keineswegs bis zum Erwachsenenalter warten. Glucosamin, Chondroitinsulfat und MSM, kombiniert mit einem Nährstoffkomplex, der dafür sorgt, dass diese Stoffe auch wirklich in den Gelenken ankommen, lassen sich schon während der Wachstumsphase füttern – bei allen Rassen sinnvoll, aber ganz besonders bei großen, schweren Rassen wie Berner Sennenhund, Bernhardiner oder Deutscher Dogge, deren Gelenke ohnehin die größte Last zu tragen haben. So werden die Gelenke von Anfang an mit den richtigen Bausteinen versorgt, statt erst zu reagieren, wenn längst etwas fehlt. Auch Siliziumkolloid ist hier eine sinnvolle Ergänzung, da es den Aufbau von Knorpel, Sehnen und Bändern unterstützt. Dazu kommen Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel aus Fischöl), die sich positiv auf die Gelenke auswirken, weil sie entzündungshemmend wirken. Man muss also nicht warten, bis das erste Hinken auftaucht, um etwas zu tun.

Gewichtsmanagement: das unterschätzte Wundermittel
Wenn es ein einziges Mittel gäbe, das Arthrose bei so gut wie jedem Tier vorbeugen könnte, wäre es kein Nahrungsergänzungsmittel und keine teure Therapie. Es wäre die Waage.
Jedes Kilo Übergewicht bedeutet für die Gelenke ein Vielfaches an zusätzlicher Belastung – bei jedem Schritt, bei jedem Sprung, bei jedem Aufstehen. Studien beim Hund zeigen, dass übergewichtige Tiere deutlich früher und deutlich stärker von Arthrose betroffen sind als schlanke Artgenossen derselben Rasse. Und das Fiese daran: Übergewicht tut anfangs nicht weh. Es zeigt sich erst Jahre später, wenn die Gelenke längst überlastet sind.
Bei Katzen ist Übergewicht heute fast schon die Regel und nicht die Ausnahme – Wohnungskatzen mit Dauerzugang zum Futternapf und wenig Bewegung sind hier besonders gefährdet. Beim Pferd ist es das “Wohlstandsbäuchlein”, das gerne unterschätzt wird, weil ein Pferd mit ein paar zu viel Kilo auf den Rippen noch immer majestätisch aussieht. Die Hufgelenke sehen das leider anders.
Der Trick ist nicht Radikaldiät, sondern Kontinuität: regelmäßig das Gewicht checken (idealerweise mit den Fingern die Rippen ertasten, nicht nur draufschauen), die Futtermenge an Aktivität und Alter anpassen, Leckerlis mitrechnen statt sie als Kalorien-Blindspot zu behandeln.
Muskeln sind der beste Freund der Gelenke
Ein gut trainierter Muskel ist wie ein natürliches Stoßdämpfersystem. Er stabilisiert das Gelenk, fängt Belastungsspitzen ab und entlastet Knorpel und Bänder ganz erheblich. Deshalb ist regelmäßige, an das Alter und den Trainingszustand angepasste Bewegung eine der wirksamsten Vorbeugemaßnahmen überhaupt.
Beim Hund bedeutet das: regelmäßige, gleichmäßige Bewegung statt Wochenend-Sportler-Programm. Ein Hund, der unter der Woche kaum vom Sofa kommt und dann samstags zwei Stunden Frisbee spielt, überlastet seine Gelenke förmlich mit Ansage. Schwimmen ist hier übrigens eine echte Geheimwaffe – es baut Muskulatur auf, ganz ohne die Gelenke stoßartig zu belasten.
Bei der Katze lässt sich Bewegung am besten über Spiel und Umgebungsgestaltung fördern: Kratzbäume, Klettermöglichkeiten, bewegte Spielzeuge statt nur Trockenfutter im Napf. Auch kleine Rätselfütterungen bringen Katzen dazu, sich mehr zu bewegen, statt den ganzen Tag zu dösen (was Katzen zwar lieben, ihren Gelenken aber nicht hilft).
Beim Pferd ist Bewegungskonstanz das A und O. Boxenruhe unter der Woche und dann intensives Training am Wochenende ist für Sehnen und Gelenke fast so schädlich wie gar keine Bewegung. Regelmäßiger Weidegang, in dem sich das Pferd frei bewegen kann, ist eine der besten und gleichzeitig einfachsten Vorbeugemaßnahmen, die es gibt.

Rasse und Genetik: die Karten, die man nicht neu mischen kann
Manche Tiere bringen ihr Arthroserisiko quasi schon im Erbgut mit. Beim Hund sind es vor allem die großen und schweren Rassen – Schäferhund, Bernhardiner, Neufundländer, Rottweiler – bei denen Hüft- und Ellbogendysplasie gehäuft auftreten. Aber auch kleine Rassen sind nicht automatisch aus dem Schneider: Möpse und French Bulldogs etwa neigen durch ihre Anatomie eher zu Kniescheibenproblemen (Patellaluxation), die langfristig zu Arthrose führen können.
Bei Katzen sind es vor allem Maine Coon, Perser und Scottish Fold, bei denen bestimmte Gelenkprobleme gehäuft vorkommen. Beim Pferd spielt die Zuchtlinie ebenfalls eine Rolle, gerade bei Rassen, die auf hohe sportliche Leistung gezüchtet wurden.
Genetik kann man nicht ändern. Was man aber kann: wissen, wo die Schwachstellen liegen, und genau dort besonders aufmerksam sein – bei der Fütterung, beim Training, bei der Vorsorge. Wer schon vor dem Kauf oder der Adoption weiß, dass eine Rasse anfällig ist, kann von Tag eins an gegensteuern, statt erst zu reagieren, wenn es zu spät ist.
Aufmerksam bleiben: der eigene Blick zählt am meisten
Der letzte und vielleicht am meisten unterschätzte Baustein ist gar keine Untersuchung beim Tierarzt, sondern die Aufmerksamkeit, die Du Deinem Tier im ganz normalen Alltag schenkst. Niemand kennt den Gang Deines Hundes, Deiner Katze oder Deines Pferdes so gut wie Du selbst. Kleine Veränderungen im Bewegungsmuster – ein Zögern vor der Treppe, ein leicht kürzerer Schritt, ein Vorsichtiger-Auftreten nach dem Aufstehen – fallen einem aufmerksamen Halter oft auf, lange bevor überhaupt ein Hinken sichtbar wird. Ein regelmäßiger, bewusster Blick auf den Gang beim Spazierengehen bringt oft mehr als jede routinemäßige Untersuchung.
Fällt Dir etwas auf, ist das kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, genauer hinzuschauen. Oft hilft schon eine Physiotherapeutin oder eine Osteopathin weiter – die ertasten und erspüren mit geübten Händen erstaunlich viel und können frühzeitig gegensteuern, bevor sich aus einer kleinen Unstimmigkeit ein größeres Problem entwickelt.
Beim Pferd gehört die regelmäßige Hufkontrolle und ein wacher Blick auf den Bewegungsablauf beim Reiten oder Longieren ebenfalls dazu – oft merkt ein aufmerksamer Reiter kleine Unregelmäßigkeiten früher als jede Untersuchung.
Zum Schluss
Arthrose lässt sich nicht immer hundertprozentig verhindern – Genetik, Alter und manchmal einfach Pech spielen mit. Aber ein Großteil dessen, was den Gelenken über die Jahre zusetzt, liegt tatsächlich in unserer Hand: wie ein Tier aufwächst, was und wie viel es frisst, wie viel Muskulatur es aufbaut, wie regelmäßig es sich bewegt und wie aufmerksam wir hinschauen.
Die Mühe, die man in diese Grundlagen steckt, zahlt sich am Ende doppelt aus – nicht nur in gesünderen Gelenken, sondern auch in mehr gemeinsamen Jahren voller Spaziergänge, Schmuserunden und Ausritte, bei denen niemand humpelt.
Damit ist unsere vierteilige Reise durch das Thema Gelenkschmerzen bei Tieren komplett: vom Erkennen über das Übersehen bei Senioren, über die Behandlungsmöglichkeiten bis hin zur Vorbeugung. Wir hoffen, Du nimmst aus jedem Teil etwas mit, das Deinem Tier – ob Fell, Schnurrhaare oder Mähne – ein paar beschwerdefreie Jahre mehr schenkt.
Quellen & weiterführende Studien
- Kealy RD, Lawler DF, Ballam JM et al.: Five-year longitudinal study on limited food consumption and development of osteoarthritis in coxofemoral joints of dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 1997. Die bekannte Labrador-Langzeitstudie: schlank gehaltene Hunde zeigten deutlich später und seltener Arthrose in der Hüfte als ihre unbegrenzt gefütterten Wurfgeschwister – im Schnitt erst mit 12 statt mit 6 Jahren.
- Smith GK, Paster ER, Powers MY et al.: Lifelong diet restriction and radiographic evidence of osteoarthritis of the hip joint in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2006. Auswertung derselben Kohorte im Alter: schlanke Hunde brauchten im Schnitt drei Jahre später eine Arthrose-Behandlung und lebten rund 1,8 Jahre länger.
- Kolm G, Miclea D, Zenker M et al. / DOGRISK-Projekt der Universität Helsinki: Influence of nutrition at young age on canine hip dysplasia in German Shepherd dogs. Untersucht anhand des DOGRISK-Fragebogens, wie sich die Fütterung von Deutschen Schäferhunden im Welpenalter, einschließlich unkonventioneller Fütterungsarten wie BARF, auf das spätere Hüftdysplasie-Risiko auswirkt.
- Mikkola LI, Holopainen S, Lappalainen AK et al.: Novel protective and risk loci in hip dysplasia in German Shepherds. PLOS Genetics, 2019. Zeigt anhand von über 500 Schäferhunden, dass es tatsächlich konkrete Genvarianten gibt, die vor Hüftdysplasie schützen oder sie begünstigen – Genetik spielt also nachweislich mit.
- Robles M, Nouveau E, Gautier C et al.: Maternal obesity increases insulin resistance, low-grade inflammation and osteochondrosis lesions in foals and yearlings until 18 months of age. PLOS ONE, 2018. Übergewichtige Stuten brachten Fohlen zur Welt, die deutlich häufiger Osteochondrose-Läsionen und Stoffwechselauffälligkeiten zeigten – bis weit ins zweite Lebensjahr hinein.
- Mendoza L et al.: Impact of feeding and housing on the development of osteochondrosis in foals – A longitudinal study. The Veterinary Journal, 2016. Stuten, die während der Trächtigkeit kraftfutterreich ernährt wurden, bekamen signifikant häufiger Fohlen mit Osteochondrose als Stuten mit rauhfutterbetonter Fütterung – unabhängig von der späteren Fütterung des Fohlens selbst.
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